Zu Beginn bezeichnete “Mosaik” eine multiplikative Gemeindebewegung im Rhein-Main-Gebiet. In den Jahren 2011 bis 2017 multiplizierte sich eine Gemeindegründung in 15 weitere Gemeindeprojekte innerhalb der Landeskirche, Freikirchen und Gemeinschaftswerke, alle der einen Grundüberzeugung verpflichtet: Einheimische öffnen ihre Herzen und Gemeinde-Gemeinschaft für die Flüchtlinge, insbesondere den Muslimen und werden zu Mosaik-Gemeinschaften. Dr. Stephen Beck, Dozent für Praktische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen, berichtet von diese überraschenden Entwicklung und entwickelt strategische Prinzipien für die – wie er sie nennt – mono-multikulturelle Gemeinde, die er auch in seinem kürzlich veröffentlichten Buch beschreibt, “Mission Mosaik: Wie sich Gemeinden für Migranten und Flüchtlinge öffnen” (Giessen: Brunnen, 2017).

Er beschreibt, wie es dieses Experiment und die Erfahrung mit seinen FTH Studenten, parallel zu den Entwicklungen in Deutschland im Jahr 2015, offensichtlich machte, dass Gott die Flüchtlingswelle gebraucht, um eine neue Art von Kirche zu schaffen.

In Berlin kamen evangelikale Pastoren, Leiter und Theologen aus Deutschland mit Theo Visser und weiteren Leitern des Netzwerks “Intercultural Church Planting” in Holland zusammen, um miteinander ein Team zu gründen, dass Gemeinden in Europa motiviert und unterstützt, sich für dieses ungewöhnliche und neue Wirken Gottes zu öffnen. Die Konferenz in Berlin war der erste Versuch, die Kirchen dazu aufzurufen, Gott zu folgen und überall auf dem Kontinent zu mono-multiculturellen Mosaiken zu werden. Das Thema der Konferenz war “Die Nationen in unseren Kirchen zu Jüngern machen”.

Die Teilnehmer der Konferenz kamen mehrheitlich aus Deutschland. Es waren Vertreter aus England, Schottland, Schweden, Portual, Griechenland, Italien, Österreich, Belgien und Holland mit dabei. Dr. Stephen Beck (Frankfurt) ging in seinem Eröffnungsreferat auf den biblischen Hintergrund und den Auftrag der Gemeinde ein, zu einem mono-multikulturellen Mosaik zu werden. Er betonte die bedeutsame Rolle des Fremden in der Bibel und wie Gott den Fremden gebraucht, sein Königreich Menschen aller Nationen, kulturellen Hintergründen, Sprachen und auch Religionen zu bringen, indem er sie in die Kirche Jesu sammelt und zu Seiner Erlösung führt.

Dienstag abend berichteten viele Teilnehmer über Gottes überraschendes Wirken und wie sie und ihre Gemeinden dadurch verändert wurden.

Für viele Konferenzteilnehmer war Mittwochvormittag einer der Höhepunkte. Mario Wahnschaffe (Bonn) sprach über seinen persönlichen und den Auftrag seiner Gemeinde, die Muslimen in seiner Heimatstadt Bonn zu erreichen. Er berichtete von ungewöhnlichen Gesprächen und Bekehrungen von Fremden anderer Religionen.

Theo Visser (Rotterdam) griff dies anschliessend auf und beschrieb die unterschiedlichen Ebenen von Jüngerschaft, die Menschen aus einer atheistischen oder nicht-christlichen Grundhaltung zu einer Reife in Christus führen. Darauf folgte ein sehr praktischer Bericht über Ressourcen und Material, das zur Jüngerschaft von Gläubigen mit muslimischem Hintergrund zur Verfügung steht. Der Vormittag schloss mit einer von mehreren intensiven Gebetszeiten für die Erneuerung der Kirche und das geistliche Erwachen des Kontinents.

Die Seminare am Mittwochnachmittag organisierten sich um die vier Ströme von MissionMosaik – mono-multikulturelle Gemeindegründung, u.a. den Ansatz von Fresh Expression von Oliver Ahlfeld (Gnadauer Verband). In dem Strom mono-multikulturelle Gemeinde-Transformation lieferte eines der Seminare Einblick in die Jüngerschaft von Migranten bis zu dem Punkt, dass sie Teil der Leitung der Ortsgemeinde werden. Im dritten Strom “Mission umgekehrt” gab es praktische Einsichten, wie man ethnisch monokulturellen Gemeinden helfen kann, sich in multikulturelle Gemeinden zu entwickeln, in der auch die Einheimischen zum Glauben an Christus kommen können.

Eines der Seminare beschäftigte sich mit dem Strom Diakonische Arbeit/Pastorale Fürsorge/Barmherzigkeitsdienst für Flüchtlinge. Dieses Seminar stiess auf besonders großes Interesse. Alex Hirsch (Marburg) berichtete über den Barmherzigkeitsdienst für neu angekommene Flüchtlinge, die unter fürchterlichen Bedingungen auf den griechischen Inseln festsitzen. Christiane Wutschke (World Relief)stellte das Seminar vor, dass sie in Kooperation mit MissionMosaik Gemeinden anbietet, um traumatisierten Flüchtlingen mit Krisen-Seelsorge zu helfen.

Am Donnerstag beschrieb der gastgebende Pastor Jörg Gerasch sehr bewegend, wie ihn der Dienst an Flüchtlingen in seiner Gemeinde geistlich verändert hatte und seine Gemeinde in der Folge hohe Anerkennung und Wertschätzung bei den örtlichen Autoritäten von Spandau und darüber hinaus bekam. Yasir Eric (Stuttgart) sprach über seine Bekehrung als sudanesischer Terrorist zu Jesus. Eindringlich informierte er die Teilnehmer darüber, wie sich die Islamische Bewegung über den Nahen und Mittleren Osten und Europa verbreitet. Er rief die Kirche zu Zuversicht und Kühnheit im Zeugnis für Jesus auf.

Dr. Stephen Beck schloss die Konferenz mit der zukunftsweisenden Beschreibung der nächsten Schritte der Bewegung und führte die Teilnehmer zum Abschluss in das gemeinsame Abendmahl.

Beck betonte ausdrücklich, dass die für ihn bewegendste Tatsache der Konferenz die Teilnahme und Mitarbeit von 15 Iranern und Afghanen war, Sie arbeiteten und dienten als Ordner, Übersetzer, Filmemacher und Anbetungsleiter. Alle waren aus seiner Gemeinde in Frankfurt und bis vor drei Jahren hatte niemand von ihnen von Jesus gehört und nun machten sie eine solche Konferenz möglich. Ebenfalls interkulturell besetzt war das Küchenteam der Josua-Gemeinde, deren internationale Küche der Konferenz eine ganz besondere Note verlieh.